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Tai Ji oder auch Taijiquan erfreut sich seit einiger Zeit auch in Deutschland immer größer werdender Beliebtheit. Volkshochschulen, Kliniken, Fitness- und Wellnesscenter haben diese Meditationsform für sich entdeckt und in ihr Angebot aufgenommen.
Diese Meditationsform – auch Schattenboxen genannt – wurzelt in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), die davon ausgeht, dass unser Körper von Energieflussbahnen, den so genannten Meridianen, durchzogen ist. Verfolgt die Akupunktur durch Einstechen feiner Nadeln an besonderen Punkten dieser Meridiane den Zweck, ein harmonisches und ausgeglichenes Fließen der Energie zu bewirken, so versuchen die langsamen Bewegungen im Taijiquan das gleiche Ziel zu erreichen, die Energieflussbahnen anzuregen, um den harmonischen und ungehinderte Fluss dieser Körperenergie zu unterstützen. Taijiquan wirkt daher auf den ganzen Körper und nicht bloß auf den Körper, sondern ebenso auf die psychische und seelische Verfasstheit des Menschen. Ich denke, auch deshalb hat Taijiquan oder das mit dieser Meditationsform sehr verwandte Qi Gong auch Einzug in das Exerzitienprogramm von katholischen Klöstern gefunden.
Die Eigenart des von mir entwickelten Kurses „Tai Ji und christliche Spiritualität –Glauben in Bewegung bringen“ ist, dass der christliche Glaube ein wesentliches Element des Kurses darstellt. In der Symbolik der einzelnen Bewegungen der Tai Ji Form „Die fünf Elemente“ entdeckte ich, dass Themen angesprochen werden, die ebenso den christlichen Glauben charakterisieren. Vor ungefähr zehn Jahren begann ich daraufhin mit interessierten Menschen zusammen diese Tai Ji Form zu üben. Im Verlauf dieser Jahre ist ein umfangreiches Kursprogramm entstanden, das ich bislang in unterschiedlichsten Institutionen angeboten habe.
Projekt „junge kirche dortmund“
Weltjugendtag 2005: Workshop im Rahmen der Liturgischen Nacht im Paderborner Dom und ein Workshop im Rahmen des Kulturfestivals in Dortmund
Katholische Seelsorge in der Justizvollzugsanstalt Castrop-Rauxel
Jugendgruppenleiterausbildung des Dekanates Witten (Multi-Camp)
Arbeitskreis Jugendpastoral des Dekanates Dortmund
Katholische Jugendarbeit der Stadt Dortmund
Drei katholische Kirchengemeinden (in Dortmund und in Paderborn, dort auch im Rahmen der Firmvorbereitung)
Bildungsstätte des Erzbistums Paderborn St. Bonifatius in Elkeringhausen
In den Kursen geht es mir neben dem Erlernen und Ausüben des Taijiquan auch darum, den christlichen Glauben auf wirklich ganzheitliche Weise (Kopf, Herz und Hand / das praktische Tun betreffend) zu thematisieren und die Teilnehmenden anzuleiten, mit den Bewegungen ihres Körpers ihren Glauben auszudrücken, sich Gedanken und Ideen vor Augen zu führen und Absichten zu verkörpern, ihren Glauben in Bewegung zu bringen. Ein Beispiel mag verdeutlichen, was ich damit aussagen möchte: Eine Figur dieser Form trägt den exotisch klingenden Namen „Den Tiger umarmen“. Die Symbolik dieser Bewegung liegt in der Absicht, eine positive und akzeptierende Einstellung zu der eigenen „dunklen“ Seite, zu den „Tiger“-Aspekten der eigenen Persönlichkeit aufzubauen, um sie zu zähmen. Es geht dabei darum, die Entfaltung der eigenen Liebesfähigkeit zuzulassen, um immer mehr in ein wertschätzendes und liebevolles Verhältnis mit sich selbst, wie auch im gleichem Maße in ein wertschätzendes Verhältnis mit den Menschen um sich herum gelangen zu können. Um die christliche Perspektive des jeweiligen Themas herauszustellen, erzähle ich ausgewählte Bibelstellen (in diesem Fall z. B.: Mt 22,37-39; Lk 11, 24-26; Mt 5, 43-48) und Heiligenlegenden (in diesem Fall die Legende von Franziskus und dem Wolf von Gubbio), ich verweise auf Lexikon-Artikel oder trage Gedichte oder christliche Anekdoten vor, die meines Erachtens die jeweiligen Aussagen auf den Punkt bringen. Einen wichtigen Hintergrund dieses Kurses stellt meine Diplom-Arbeit dar, deren Thema sich wie ein roter Faden durch das Konzept meines Tai Ji Kurses zieht. In meiner Diplomarbeit stelle ich die Kongruenz der Analytischen Psychologie C. G. Jungs mit der christlichen Theologie heraus. In ihr führe ich aus, dass die Entwicklung, die unsere Psyche von sich aus anstreben möchte, ein Prozess ist, der wesentlich mit dem Auftrag Jesu Christi, an der Gestaltwerdung des Gottesreiches mitzuwirken, zu tun hat.
Michael Thiedig Diplom Religionspädagoge Lehrer für Taijiquan in Ausbildung Gemeindereferent im Erzbistum Paderborn
e-mail: Michael.Thiedig@gmx.de
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