Ist Beten unmodern?

Wenn man einschlägigen Blättern Glauben schenken darf, findet religiöse Erziehung in Deutschland kaum noch statt. Die Kirchenaustritte häufen sich, Kirchenbesuch erfolgt nur noch sporadisch, Kinder lernen nicht mehr Beten..

Solche und ähnliche Nachrichten verfälschen das Bild der religiösen Landschaft in Deutschland. Es gibt sie durchaus noch – und nicht nur sporadisch – die Familien, in denen eine religiöse Überzeugung lebensbestimmend ist, in denen noch gebetet wird und in denen Kinder noch das Beten lernen und nicht einfach, wenn überhaupt, nur Standardgebete ableiern.

Kirche von innen

Beten als Wert in der Kindererziehung

Im Übrigen hat Beten durchaus einen praktischen Wert in der Kindererziehung: Beten kann dazu verhelfen, ein Urvertrauen, das für Kinder sehr wichtig ist, zu wecken oder zu verstärken. Beten, bewusstes Beten, bringt ein Kind dazu, den Tag, eigenes Erleben und Handeln zu reflektieren und zu überdenken. Dadurch wird einem einfachen “In-den-Tag-hinein-Leben” vorgebeugt. Ein jeder Tag hat Inhalte, hätte vielleicht auch andere Inhalte haben können und sollen. Beten vermittelt Wertmaßstäbe, denn die im Gebet erfolgte Reflektion regt auch zum Nachdenken darüber an, was gut, weniger gut oder gar nicht gut war. Die Fähigkeit, das eigene Handeln zu überdenken und zu bewerten, fehlt heute vielen Jugendlichen – und nicht nur Jugendlichen. So ist es nicht verwunderlich, dass zum Beispiel Pädagogen und Richter zunehmend fehlendes Unrechtsbewusstsein beklagen.

Beten in der Kirche

Bewusstes Beten lässt auch über den Tellerrand der eigenen Existenz hinaus schauen und sensibel für andere Schicksale werden, zum Beispiel in der Bitte “Unser tägliches Brot gib uns heute” im “Vater unser”. Dem betenden Kind wird bewusst, dass ein Leben ohne große Sorgen, ohne täglichen Kampf ums Überleben durchaus nichts Selbstverständliches ist. Es lernt, dass viele Kinder auf der Welt es lange nicht so gut wie wir haben. Und es lernt dadurch, dass es fürbittend solcher Kinder gedenkt, grundsätzliches soziales Verhalten.

Fazit

Alles das sind Erziehungsaspekte, die in einer Zeit, in der man allerorten einen rasanten Werteverlust beklagt, dem Beten-Lernen durchaus Berechtigung in einer verantwortungsvollen Erziehung einräumen.

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